Geschichte von Zakynthos

Auf einen Blick

  • Antike: Homer zählt Zakynthos zum Reich des Odysseus. Der Burghügel über der Stadt war schon im 5. Jahrhundert v. Chr. befestigt.
  • Venedig: ab den 1480er-Jahren bis 1797 venezianisch. Die Venezianer nannten die Insel „Fiore di Levante“, Blume des Ostens.
  • 1797 bis 1864: Franzosen, Russen und Osmanen, Ionische Republik, dann britisches Protektorat. Am 21. Mai 1864 kam die Insel zu Griechenland.
  • Dichter: Ugo Foscolo, Andreas Kalvos und Dionysios Solomos, der Verfasser der griechischen Nationalhymne, stammen von Zakynthos.
  • Erdbeben 1953: Am 12. August 1953 zerstörten ein Beben der Stärke 7,2 und ein Großbrand die Stadt fast vollständig.

Die Geschichte von Zakynthos verlief anders als die des griechischen Festlands. Von der Eroberung durch die Normannen 1185 bis 1864 herrschten fast sieben Jahrhunderte lang vor allem westeuropäische Mächte über die Insel, gut drei davon allein Venedig. Die Osmanen hielten sie nur kurz. Das hat Spuren hinterlassen: in der Musik, in der Küche und im Stadtbild. Vieles davon zerstörte das Erdbeben von 1953. Wer die Insel heute besucht, findet die Geschichte vor allem in den Kirchen, auf dem Burghügel Bochali und in den Museen der Stadt.

Historischer Farbdruck der Stadt Zakynthos mit Uferpromenade und Hügeln
Zakynthos-Stadt auf einem historischen Photochrom-Druck aus der Zeit vor dem Erdbeben von 1953 · Foto: Photoglob Co., publisher, Public domain, via Wikimedia Commons

Antike: die Insel des Odysseus

Menschen waren schon sehr früh auf der Insel. Steinwerkzeuge von Neandertalern belegen eine Besiedlung vor rund 110.000 Jahren. Aus mykenischer Zeit stammen Gräber, die bei Kambi im Westen der Insel gefunden wurden.

Ihren Namen hat die Insel der Sage nach von Zakynthos, einem Sohn des trojanischen Königs Dardanos, der sie gegründet haben soll. Homer erwähnt Zakynthos in der Ilias und der Odyssee. Im Schiffskatalog gehört die Insel zum Reich des Odysseus. Der Überlieferung nach löste sie sich nach dem Trojanischen Krieg von Ithaka. Ebenfalls der Überlieferung nach gründeten Zakynthier in Spanien die Kolonie Zakantha, die Hannibal 218 v. Chr. zerstörte. Der Hügel über der heutigen Stadt war bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. befestigt. Später kam die Insel unter makedonische und schließlich unter römische Herrschaft.

Byzanz, Normannen und Tocco

Bei der Teilung des Römischen Reichs 395 n. Chr. fiel Zakynthos an Ostrom. Die Insel litt in byzantinischer Zeit unter Überfällen von Piraten und Eroberern. Aus dem 12. Jahrhundert stammt die byzantinische Erlöserkirche auf dem Burghügel. 1185 eroberten die Normannen die Insel. Es folgten die Familie Orsini, ab 1324 die Anjou aus Neapel und ab 1357 die Familie Tocco. 1479 nahmen die Osmanen die Burg ein und zerstörten sie. Wenige Jahre später überließen sie die Insel Venedig.

Venedig und die „Fiore di Levante“

In den 1480er-Jahren kam Zakynthos an die Republik Venedig, je nach Quelle 1482, 1484 oder 1485. Venedig blieb bis 1797, also gut drei Jahrhunderte. Die Venezianer nannten die Insel Zante und gaben ihr wegen ihrer vielen Blumen den Beinamen „Fiore di Levante“, Blume des Ostens. Sie teilten die Gesellschaft in drei Stände: den Adel (Nobili) mit der politischen und wirtschaftlichen Macht, die Bürger (Civili oder Cittadini) ohne politische Macht und das einfache Volk (Popolari), das politisch rechtlos war.

Auf dem Hügel über der Stadt bauten venezianische Ingenieure die Festung aus. Die ältesten erhaltenen Teile stammen von 1503, fertig waren Mauern und Bastionen 1646. 1571 kämpften Schiffe aus Zakynthos in der Seeschlacht von Lepanto auf Seiten der Heiligen Liga. Nachdem Venedig 1669 Kreta an die Osmanen verloren hatte, kamen viele Kreter auf die Insel. Mit ihnen entstand die Ionische Schule der Malerei. Schwere Erdbeben erschütterten die Insel 1622 und 1633.

Blick von oben auf die Häuser von Zakynthos-Stadt, den Hafen und die Halbinsel
Blick vom Burghügel Bochali auf Zakynthos-Stadt und den Hafen · Foto: Alessia1983, Pixabay Content License, via Pixabay

Franzosen, Ionische Republik und Briten

Mit dem Ende der Republik Venedig kamen 1797 die Franzosen. Das Volk erhob sich gegen den Adel und verbrannte das „Libro d’Oro“, das Goldene Buch der adligen Familien. 1798 übernahmen Russen und Osmanen die Insel. Von 1800 bis 1807 gehörte Zakynthos zur Republik der Sieben Vereinigten Inseln, der Ionischen Republik. 1807 fiel die Insel im Frieden von Tilsit erneut an Frankreich, 1809 besetzten sie die Briten. Ab 1815 war sie Teil der Vereinigten Staaten der Ionischen Inseln unter britischem Schutz.

Am griechischen Unabhängigkeitskrieg ab 1821 hatte Zakynthos Anteil, zum neuen griechischen Staat kam es aber noch nicht. Erst am 21. Mai 1864 wurden die Ionischen Inseln mit Griechenland vereinigt. 1893 richtete ein Erdbeben der Stärke 6,4 schwere Schäden an, in der Stadt wurden 2.000 Häuser zerstört.

Die Dichter: Foscolo, Kalvos und Solomos

Drei Dichter, die weit über die Insel hinaus bekannt sind, stammen von Zakynthos.

  • Ugo Foscolo wurde am 6. Februar 1778 auf Zakynthos geboren, damals venezianisch. Er schrieb auf Italienisch, bekannt sind „Die letzten Briefe des Jacopo Ortis“ und „Von den Gräbern“. Er starb 1827 bei London.
  • Andreas Kalvos wurde im April 1792 auf Zakynthos geboren. Seine Oden erschienen als „Lyra“ 1824 in Genf und als „Neue Oden“ 1826 in Paris. Er starb 1869 in England.
  • Dionysios Solomos wurde am 8. April 1798 auf Zakynthos geboren. Im Mai 1823 vollendete er den „Hymnos eis tin Eleftherian“, die Hymne an die Freiheit, mit 158 Strophen. Ihre ersten Strophen sind seit 1865 die griechische Nationalhymne, vertont von Nikolaos Mantzaros. Solomos starb im Februar 1857.

Am Markusplatz in Zakynthos-Stadt erinnert das Museum für Solomos und berühmte Zakynthier an die Dichter. In seinem Mausoleum ruhen seit dem 17. Januar 1968 die Gebeine von Solomos und Kalvos. Am Solomos-Platz steht eine Statue des Nationaldichters. Mehr dazu auf der Seite Museen auf Zakynthos.

Zweiter Weltkrieg: die Rettung der Juden von Zakynthos

Im April 1941 besetzten italienische Truppen die Insel. Nach dem Sturz Mussolinis landeten am 9. September 1943 deutsche Soldaten. Auf Zakynthos lebten zu Beginn des Krieges rund 275 Juden. Die Besatzer verlangten von Bürgermeister Loukas Karrer eine Liste mit ihren Namen. Karrer wandte sich an Metropolit Dimitrios Chrysostomos.

Chrysostomos verhandelte mit dem deutschen Kommandanten und bat, die Juden nicht zu deportieren, da sie griechische Staatsbürger seien. Als der Kommandant auf der Liste bestand, schrieb der Metropolit nur seinen eigenen Namen auf ein Blatt und übergab es. Als die Besatzer an ihren Plänen festhielten, warnten Metropolit und Bürgermeister die jüdischen Familien und rieten ihnen, sich in den Bergen zu verstecken. Etwa zwei Drittel folgten dem Rat und blieben bis zur Befreiung versteckt. Als im August und September 1944 drei kleine deutsche Boote die Deportation durchführen sollten, konnten sie nicht alle aufspüren. Die Gemeinde blieb weitgehend verschont. Die Besatzung endete im September 1944. Am 14. März 1978 ehrte die Gedenkstätte Yad Vashem Karrer und Chrysostomos als Gerechte unter den Völkern.

Steinkirche Agios Nikolaos tou Molou mit Glockengiebel am Solomos-Platz
Die Kirche Agios Nikolaos tou Molou am Solomos-Platz, nach 1953 wieder aufgebaut · Foto: Maesi64, CC0, via Wikimedia Commons

Das Erdbeben auf Zakynthos 1953

Am 12. August 1953 um 11:25 Uhr traf ein Erdbeben der Stärke 7,2 die Ionischen Inseln. Es machte Argostoli und Lixouri auf Kefalonia und die Stadt Zakynthos dem Erdboden gleich. Auf allen drei betroffenen Inseln, Zakynthos, Kefalonia und Ithaka, starben 455 Menschen, 2.412 wurden verletzt. Auf Zakynthos allein gab es 82 Tote. Mehr als 33.000 Häuser wurden zerstört. Hunderte Nachbeben, viele über Stärke 5, folgten bis Ende September.

In Zakynthos-Stadt kam zum Beben ein riesiger Brand, der vernichtete, was noch stand. Auch die historische Kirche Panagia Faneromeni brannte aus. Übrig blieben fast nur die Kirche Agios Dionysios, die Schule in Ammos, die Nationalbank und das Haus Sarakini. Auf dem Burghügel wurden die Gebäude der Festung zerstört, ihre Steine später für öffentliche Bauten verwendet. Erste Hilfe kam mit Schiffen aus Griechenland, Großbritannien und den USA.

Die Stadt wurde danach neu aufgebaut, mit Rücksicht auf ihren alten Charakter. Die Kirche Agios Nikolaos tou Molou am Solomos-Platz etwa entstand mit ihren ursprünglichen Baumaterialien neu. Einige Dörfer blieben vom Beben weitgehend verschont, darunter Loucha und Gyri am Vrachionas. Mehr dazu auf der Seite Bergdörfer auf Zakynthos.

Hoher weißer Glockenturm vor dem Klosterbau von Agios Dionysios
Kirche und Glockenturm von Agios Dionysios in Zakynthos-Stadt · Foto: Christaras A, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wo man die Geschichte heute sieht

  • Bochali und Kastro: der Burghügel mit den venezianischen Mauern und dem Blick auf die Stadt.
  • Agios Dionysios: die Kirche des Inselheiligen, eines der wenigen Gebäude, die 1953 stehen blieben.
  • Museen: das Museum für Solomos und berühmte Zakynthier am Markusplatz und das Museum Zakynthos am Solomos-Platz.
  • Zakynthos-Stadt: Solomos-Platz, Markusplatz und die Arkaden der wieder aufgebauten Stadt.

Weitere Themen zu Kirchen, Musik und Küche stehen auf der Übersichtsseite Kultur auf Zakynthos.

Häufige Fragen zur Geschichte von Zakynthos

Wie lange gehörte Zakynthos zu Venedig?

Von den 1480er-Jahren bis 1797, also gut drei Jahrhunderte. Die Venezianer nannten die Insel Zante und „Fiore di Levante“.

Seit wann gehört Zakynthos zu Griechenland?

Seit dem 21. Mai 1864. An diesem Tag wurden die Ionischen Inseln, die bis dahin unter britischem Schutz standen, mit Griechenland vereinigt.

Was geschah beim Erdbeben 1953 auf Zakynthos?

Am 12. August 1953 zerstörten ein Beben der Stärke 7,2 und ein anschließender Brand die Stadt fast vollständig. Auf Zakynthos starben 82 Menschen. Nur wenige Gebäude blieben stehen, darunter die Kirche Agios Dionysios.

Wer rettete die Juden von Zakynthos?

Bürgermeister Loukas Karrer und Metropolit Dimitrios Chrysostomos. Sie warnten die Gemeinde und gaben die geforderte Namensliste nicht heraus. Yad Vashem ehrte beide 1978 als Gerechte unter den Völkern.